Aneignung der Stadt: Die Kultur unterwandert den urbanen Raum
Am diesjährigen Kulturtag der Stadt Freiburg, der mit dem Kurator Patrick Gosatti konzipiert und moderiert wird, soll die zentrale Rolle der Kunst im öffentlichen Raum auf pluralistische und dynamische Weise untersucht werden. Er wird dieses Jahr deshalb an mehreren Tagen stattfinden, um über genügend Zeit und Raum zu verfügen, verschiedene Themen anzusprechen. Dieses Jahr umfassen die Kulturtag[e] einen Workshop und vier Podiumsdiskussionen, die jeweils unterschiedliche Ansätze und vielfältigen Denk- und Erfahrungsweisen von Kunst und Kultur im öffentlichen Raum erörtert werden.
Die behandelten Themen sollen, wie die Titel bereits andeuten, dynamisch, offen und bereit sein, sich zu aktivieren, sich neu zu erfinden, die Richtung zu ändern, innezuhalten, um sich in Bewegung zu setzen. Anhand der Reflexionen, Erfahrungen und Perspektiven der Referentinnen und Referenten werden die Kulturtag[e] Gelegenheit bieten, sich eine Kultur vorzustellen, die den öffentlichen Raum, Strassen, Plätze, Gebäude, Unterführungen in Beschlag nimmt und die Begegnungen und den Austausch in Grünanlagen fördert sowie dazu auffordert, die Beziehungen zwischen Kunst, Kultur und unseres urbanen und natürlichen Umfelds zu hinterfragen.
Ausstellung Laufende Gestaltung, vom 27. Februar bis am 25. März 2025 im L'Atelier
Die Ausstellung Laufende Gestaltung wird die Kulturtag[e] ergänzen. Sie erkundet Forschung und Kreation als kontinuierlichen Prozess von der Konzeption bis hin zu möglichen Realisierungen und nicht als starres Ergebnis. Der künstlerische Ansatz entwickelt sich offen und nicht linear und ist geprägt von Experimenten, Anpassungen, Versuchen und Infragestellungen. Die ausgestellten Installationen sind mehr als vollendete Werke, sondern zeigen vielmehr die Schichten eines sich entwickelnden Prozesses und fangen Momentaufnahmen des kreativen Weges ein.
Mit den Künstlern Lang/Baumann, Markus Kummer und Emilie Ding.
Am Donnerstag, 27. Februar steht für die Workshops und die Podiumsdiskussionen eine Simultanübersetzung ins Deutsche zur Verfügung.
Im Anschluss an jede Veranstaltung, die alle im L'Atelier, Liebfrauenplatz 16 stattfinden, wird ein Apéro offeriert.
Es ist möglich, an allen oder an einem Teil der Veranstaltungen teilzunehmen, da sie unabhängig voneinander sind. Den Teilnehmenden der partizipativen Workshops vom Donnerstag, 27. Februar wird jedoch empfohlen, auch an der letzten Podiumsdiskussion vom 25. März teilzunehmen, da an dieser eine Zusammenfassung der in den partizipativen Workshops angestellten Überlegungen präsentiert wird.
Die Stadt erkunden - Partizipative Workshops vom Donnerstag, 27. Februar von 14 Uhr bis 16.45 Uhr
In diesem Workshop werden die Teilnehmenden aufgefordert, das Potenzial von Grünflächen wie Pärke, Spielplätze und Begegnungsräume zu untersuchen, und davon ausgehend die Interaktionen zwischen Kunst und öffentlichem Raum zu über denken. Diese Orte, in denen Natur und urbane Umgebung aufeinandertreffen, bieten Gelegenheit, über ihre vielfältigen sozialen, kulturellen und urbanen Dimensionen nachzudenken.
Erfahrene Referentinnen und Referenten werden Workshops aus drei verschiedenen Perspektiven leiten, in einem kollektiven und explorativen Ansatz. Ziel ist es, über die Möglichkeiten und die Relevanz der Integration kultureller Phänomene in diese besondere Art von städtischen Räumen nachzudenken. Das Publikum ist eingeladen, potenzielle Ideen und Strategien zu skizzieren, von pragmatisch bis utopisch, um das kreative Potenzial dieser Orte mit ihren vielfältigen Dimensionen auszuloten.
Die dabei gesammelten Ergebnisse werden in einer Zusammenfassung präsentiert, die das Kulturamt am Dienstag, den 25. März um 18 Uhr als Einführung in die letzte Podiumsdiskussion vorstellt.
Referentinnen und Referenten: Laura Giudici ist Kunsthistorikerin leitet derzeit das Büro des Verbands Vert le Futur und ist Co-Leiterin des Projekts Tatenbank sowie des Programms Creative Climate Leadership Switzerland.
Katell Mallédan ist Architektin und Stadtplanerin, Partnerin des Architekturbüros M—AP architectes in Lausanne sowie Mitglied der Geschäftsleitung von Ville en tête, einem Verein zur Sensibilisierung für Baukultur.
Monique Keller ist Architektin EPFL, Journalistin BR und war Kuratorin von Lausanne Jardins 2019 und 2024, einer Veranstaltung, die Landschaftsarchitektur und Überlegungen über die Stadt anhand von in den urbanen Raum integrierten Installationen erforscht.
Bernard Vienat ist Kunsthistoriker und Ausstellungskurator. Er ist der Gründer von art-werk, einer Plattform, die der Kulturvermittlung und der Schaffung von Verbindungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft gewidmet ist.
Juan Diaz ist der Leiter des Kulturamts der Stadt Freiburg.
Ian Losa ist Geograf und Stadtplaner, er arbeitet als Projektleiter beim Sektor Stadtentwicklung der Dienststelle Stadtplanung und Architektur der Stadt Freiburg. Er betreut verschiedene strategische Planungsprojekte, die derzeit auf dem Gemeindegebiet durchgeführt werden.
Tagesprogramm
Ab 14 Uhr
Begrüssung
14.15 Uhr
Grusswort von Laurent Dietrich, Direktion der Kultur der Stadt Freiburg
Präsentation der Workshops
15 Uhr
Workshops
16.30 Uhr
Schlussfolgerungen
16.45 Uhr
Pause
17.30 Uhr
Eröffnung und Präsentation der Ausstellung Laufende Gestaltung
18 Uhr
Podiumsdiskussion Die Stadt gestalten
19.30 Uhr
Vernissage der Ausstellung Laufende Gestaltung
Die Stadt gestalten - Podiumsdiskussion vom Donnerstag, 27. Februar von 18.00-19.30 Uhr, gefolgt von der Vernissage der Ausstellung "Laufende Gestaltung"
Die Neugestaltung des Bahnhofs in Freiburg soll diesen Bereich in ein sinnbildliches Eingangstor der Stadt verwandeln. Demnächst wird ein Kunstwettbewerb für die Konzeption eines Werks für den Vorplatz ausgeschrieben. Dieses Projekt bietet Gelegenheit, über die Rolle der künstlerischen Intervention im öffentlichen Raum nachzudenken: Wie kann die Nutzung überdacht und die Verbindungen zwischen Kulturerbe und Stadtplanung aufgewertet und verstärkt werden? Wie können die Erfahrungen aus anderen Kontexten genutzt werden, um auf bestimmte Situationen zugeschnittene Interventionen zu planen? Die Diskussionen werden vielfältige Perspektiven und konkrete Beispiele bieten, mit dem Ziel, Überlegungen zur Integration von Kunst in den öffentlichen Raum anzuregen und eine Richtung vorzugeben.
Referentinnen und Referenten:
Lang/Baumann ist ein Künstlerduo. In ihrem Werk erforscht es die Schnittstellen zwischen Kunst, Architektur, Design und öffentlichem Raum. Das Duo hat sich einen Namen gemacht mit seinen ortspezifischen Installationen und Interventionen.
Simon Lamunière ist ein Kurator. Er arbeitete für Art Unlimited in Basel (2000-2011) und leitete zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum wie beispielsweise Neon Parallax. Er leitete Utopics (2009) und konzipierte und leitete Open House in Genf (2021-2022).
Veronica Tracchia ist Leiterin der Abteilung Kreation und Diffusion der Generaldirektion für Kultur des Kantons Waadt und Vize-Präsidentin für Kunst-am-Bau-Wettbewerbe des Kantons. Zuvor war sie in der Stadt Nyon für die Entwicklung von Kunst im öffentlichen Raum zuständig.
Enrico Slongo ist Architekt EPFL. Er ist Stadtarchitekt der Stadt Freiburg und leitet die Dienststelle Stadtplanung und Architektur. Seine Dienststelle ist für die Stadtplanung und für Projekte zur Neugestaltung des öffentlichen Raums in den Phasen Entwurf, Genehmigungsantrag und Ausschreibung zuständig.
Die Stadt performen - Podiumsdiskussion vom Dienstag, 11. März von 18.00-19.30 Uhr
An diesem Treffen werden Referentinnen mit unterschiedlichem Background teilnehmen, um über das Thema der Performativität im Zusammenhang mit dem öffentlichen Raum zu diskutieren. Wie interagieren performative Ansätze mit der sozialen und urbanen Dynamik einer Stadt? Mit welchen Strategien kann der öffentliche Raum aufgewertet und hinterfragt und gleichzeitig die Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger oder das öffentliche Engagement in diesen Prozessen gefördert werden? An dieser Podiumsdiskussion sollen die Beziehungen zwischen den darstellenden Künsten und dem performativen Potenzial des urbanen Raums hinterfragt und auf die entsprechenden Herausforderungen eingegangen werden. Zudem soll untersucht werden, wie performative Praktiken den öffentlichen Raum in Beschlag nehmen oder aktivieren können, der als Ort des künstlerischen Ausdrucks, des Dialogs und des Hinterfragens betrachtet wird.
Referentinnen und Referenten: Marie-Eve Knoerle ist Kunsthistorikerin. Sie hat sich auf performative Praktiken spezialisiert und koordiniert derzeit öffentliche Kunstprojekte beim "Fonds municipal d’art contemporain" der Stadt Genf (FMAC).
Anne-Christine Liske ist Kuratorin und Produzentin. Sie leitet seit Februar 2022 das "far° festival et fabrique des arts vivants" in Nyon. Sie interessiert sich für interdisziplinäre Bühnenkunstprojekte und das soziale Potenzial von Kunst.
Olivier Suter ist ein Künstler und Kulturschaffender. Er war Leiter der zeitgenössischen Kunstfestivals Belluard Bollwerk in Freiburg und La Bâtie in Genf. Er unterrichtete Kunst und Kunstgeschichte und war politisch aktiv.
Die Stadt experimentieren - Podiumsdiskussion vom Dienstag, 18. März von 18.00-19.30 Uhr
An dieser Podiumsdiskussion wird das Potenzial des künstlerischen Experimentierens in spezifischen urbanen Räumen wie Strassen, Unterführungen, Wände oder ganze Gebäude untersucht. Die urbane Kultur wird aus einem künstlerischen und sozialen Blickwinkel betrachtet, wobei die Herausforderungen im Zusammenhang mit der künstlerischen Praxis als Raum für Kreativität, Austausch und Reflexion über die Grenzen zwischen ästhetischer Erfahrung und Alltag beleuchtet werden. Ob Aufwertung urbaner Räume oder Umnutzung von Standorten: Es geht darum, sich vorzustellen, wie verschiedene Ansätze nicht nur den städtischen Kontext, sondern auch die Art und Weise verändern können, wie wir ihn erleben und erfahren. Anhand von aktuellen Beispielen wird sich die Diskussion um die Schlüsselrolle der Kunst und der Kultur bei der Wahrnehmung, Erfahrung und der Veränderung des urbanen Raums drehen.
Referentinnen und Referenten:
Emilie Ding ist eine schweizerische Künstlerin. Sie konzentriert sich in ihrer Arbeit hauptsächlich auf Zeichnungen und Skulpturen. Ihre Werke zeugen von einem Interesse an strukturellen Formen, die sich aus dem Bauwesen und der modernen Architektur ableiten.
Vanessa Gerotto ist Künstlerin und Raumdesignerin. Sie schafft Räume des kulturellen Austauschs und Dialogs. Ihr Interesse an Transformationsprozessen führte dazu, dass sie sich 2024 dem baubüro in situ anschloss.
Issam Rezgui ist ein multidisziplinärer Künstler. Er hat sich auf urbane Kunst, Graffiti, Typographie und Illustration spezialisiert. Er wohnt in Lausanne und ist international tätig. Er ist zudem Gründer und Direktor des Art Valais Open Air Museum.
Samia Henni ist Historikerin und Kuratorin, spezialisiert auf gebaute, zerstörte und imaginierte Umgebungen. Durch ihre Arbeit trägt sie zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Architektur, Raumnutzung und sozialpolitischen Dynamiken bei, aus einer kritischen Perspektive auf die gebaute Umwelt.
Die Stadt kultivieren - Podiumsgespräche vom Dienstag, 25. März von 18.00 bis 19.30 Uhr
Die letzte Podiumsdiskussion wird Gelegenheit bieten, dem Publikum das Ergebnis der Reflexionen aus dem Workshop des ersten Tages zu präsentieren, das zugleich als Einführung zum Thema des Abends dient: die kulturelle Aufwertung von Grünflächen. Dies wird der Ausgangspunkt für die Erarbeitung einer ganzheitlichen Vision sein, die darauf abzielt, geeignete städtische Kulturstrategien zu entwickeln sowie die Rolle und Funktion der Kunst im öffentlichen Raum zu definieren. Dieser Raum eröffnet Möglichkeiten, aktuelle Fragen und Herausforderungen der Koexistenz von öffentlicher Nutzung, kultureller Entwicklung, Erhaltung der Biodiversität und Stärkung der sozialen Interaktion zu untersuchen. Indem einige der Überlegungen, die während des Workshops skizziert wurden, weitergeführt und die Erfahrungen der Referentinnen und Referenten eingebracht werden, soll in dieser letzten Podiumsdiskussion untersucht werden, wie kulturelle Strategien Teil eines umfassenden Ansatzes sein können, um die Verbindungen zwischen Kultur, urbanem Raum und natürlicher Umwelt neu zu denken.
Referentinnen und Referenten: Laura Giudici ist Kunsthistorikerin. Sie leitet derzeit das Büro des Verbands Vert le Futur und ist Co-Leiterin des Projekts Tatenbank sowie des Programms Creative Climate Leadership Switzerland.
Katell Mallédan ist Architektin und Stadtplanerin. Sie ist Partnerin des Architekturbüros M—AP architectes in Lausanne sowie Mitglied der Geschäftsleitung von Ville en tête, einem Verein zur Sensibilisierung für Baukultur.
Monique Keller ist Architektin EPFL, Journalistin BR und war Kuratorin von Lausanne Jardins 2019 und 2024, einer Veranstaltung, die Landschaftsarchitektur und Überlegungen über die Stadt anhand von in den urbanen Raum integrierten Installationen erforscht.
Bernard Vienat ist Kunsthistoriker und Ausstellungskurator. Er ist der Gründer von art-werk, einer Plattform, die der Kulturvermittlung und der Schaffung von Verbindungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft gewidmet ist.